Mit Martin Schulz beim Weltkrustentiertag

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Die Recherchen gestalten sich erstaunlich einfach. Völlig offen und beinahe schamlos tritt der Spitzenkandidat der SPD für die Europawahl Martin Schulz in allen Faccetten schillernd im Internet auf. Positiv gesehen macht er keine Teufelsgrube aus seinem Herzen und scheint nicht nur multitaskingfähig zu sein, sondern anscheinend auch so etwas wie ein Renaissance-Genie alter Prägung. Nicht nur als Politiker in Brüssel hat er es geschafft, der ach-so-feine Herr Schulz, sondern auch auf unzählbar vielen anderen Feldern.

Grund genug, dem offenen Hochstapler, Tunichtgut und Illusionskünstler, dem Berlusconi-Staatsfeind-Nummer-1 und Vollbart-, sowie Halbglatze- mit Tendenz zur Dreiviertelglatze-Träger einmal auf den Zahn zu fühlen, aber so richtig, weswegen ich über sein Büro versuche, einen Termin beim traditionellen Brüsseler Langustenschwanzknacken klar zu machen. Bei diesem Wettbewerb, der ein internationales Teilnehmerfeld anzieht, wird, zurückgehend auf eine verlorene Wette des belgischen Königspaars Albert I und Elisabeth I, das sich einst auf einem Familienbegräbnis kennen- und lieben gelernt hatte, (vgl. Will Ferrell in „Die Hochzeitscrasher“) so lange auf einen Langustenschwanz gebissen, bis dieser bricht wie der Krug, der so lange zum Brunnen geht, bis er bricht oder der Zecher, der so lange nachbestellt, bis er – ich denke, meine Leser verstehen, was ich meine.

Wie dem auch sei: Nach langen Verhandlungen erhalte ich das OK bzw. „D’accord“ und pünktlich zum 17. Mai, dem offiziellen Weltkrustentiertag, treffen wir uns am Kai von Brüssel im altehrwürdigen Ratssaal von Mijnheer Verbruggen, der dem Anlass entsprechend und mehr als gerecht dekoriert ist mit seinen muschelkalkgeweißten drei Meter hohen Räumen, seinen aus Walbein gefertigten Lüstern und den in Antwerpener Glas gegossenen millionen-, wenn nicht milliardenfachen Chitinpanzern von Nordseekrabben, die man am Herrscherhaus sammelte, klassifizierte und anschließend von besonders reich bezahlten Kunsthandwerkern in Glasquadrate gegossen in den Boden einfügen ließen.

Der Geschmack der belgischen Regenten war exquisit – exquisit wie die sprichwörtlich auf jeder Zunge dahin schmelzende Schokolade Brüsseler Prägung. Ich wandele durch die herrschaftlichen Räume, erblicke zufrieden, dass Martin Schulz mir genau gegenüber an der urig behauenen Tischplatte Platz nehmen wird und genehmige mir einen Schluck gekühlter koffeinfreier Cola aus dem Bergkristallglas, das mir ein livrierter Page auf mein Winken reicht. „Cola macht die Zähne hart!“ hat meine Großmutter väterlicherseits immer gesagt, wenn Sie ihre Dritten des Nachts in ein dreifingerbreit gefülltes Whisky-Glas versenkte. Nicht ich, Starrreporter Florian Cornelius, sondern der Europaspitzenkandidat der SPD wird sich heute die Zähne ausbeißen und dazu nicht umhin kommen, nur wenige Tage vor der Wahl ein Geständnis abzulegen, das man sich so gar nicht vorstellen konnte.

Ein Erdbeben kündigt sich an! Ein Erdbeben in der politischen Landschaft der Bundesrepublik – fern jeder Richterskala. Kohls schwarze Kassen, Schröders Gazpromdeals, Fischers Autonomenzeit oder alles von Franz-Josef Strauß sind gegen meine Entdeckungen und kommenden Enthüllungen ein Pappenstiel. Deutschland wird ein anderes Land sein, die EU innehalten und die Welt mit dem Atem stocken, kurz aufstoßen, sich dann den ekeligen Geruch aus dem Magen wegfächeln und sich weiterdrehen.
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Nicole Kidman ist kein Echsenwesen

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Zugegeben, die Theorie, dass eine Rasse von außerirdischen Reptoiden die Erde in einer Art Hohlwelt bewohnt, aber auch gleichzeitig die Gesellschaft in einer Reptilienverschwörung unterjocht und die Menschheit versklaven möchte, erscheint ein wenig abwegig. Erschreckend, dass Menschen wie Queen Elizabeth, George W. Bush, Barack Obama, Jennifer Lopez, Godzilla, Daniel Craig, Nicole Kidman, aber auch Bundeskanzlerin Angela Merkel reptiloide Formwandler sein sollen, die in der Öffentlichkeit als „normale“ Menschen auftreten, zu Hause aber Blut trinken und den Untergang der Menschheit vorbereiten – wobei ihr Verhalten auch verständlich ist, wenn es denn wirklich so wäre.

Wer würde beispielsweise den neuen Film von Frau Kidman sehen wollen, wenn eine 3 Meter große Echse in eleganten Kleidern Grace Kelly darstellen würde, wer würde Frau Merkel in ihrer Echsengestalt noch wählen wollen … und wie sähe es aus, wenn eine bekrönte Echse jedes Mal das frisch gewählte House of Commons eröffnen würde? Nichtsdestotrotz verdient es Aufklärung, ob denn da an diesen Gerüchten irgendetwas dran ist, weswegen ich mehrere der vermeintlichen Echsenwesen über ihr Management kontaktiere und um Interviewtermine bitte.

Größtenteils erhalte ich Absagen, Barack Obama sei angeblich unabkömmlich, Donald Rumsfeld weiß irgendwie schon von meinem Ansinnen und erteilt eine förmliche Absage, in der er darauf verweist, zum Thema „Bin ich eine Echse aus dem All“ in einem gemeinsamen Interview mit Louis CK schon alles gesagt zu haben. Lediglich Frau Kidman erklärt, dass ich sie gerne in ihrem Haus in Malibu besuchen könne, sie habe gerade sturmfrei und freue sich auf meinen Besuch.

Das Ticket für meine Anreise ist schnell gebucht und so klingele ich nur zwei Tage später am sehr frühen Morgen gegen 7.00 Uhr am Mehrfamilienhaus, das seltsamerweise der Villa der Schauspielerin vorgelagert ist und von seltsam aussehenden Securitys gesichert wird, die auf den sonnengefluteten Balkonen anscheinend Bloody Marys trinken und mich nach kurzer Kontrolle durchwinken. „Misses Kidman is waiting for you!“
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George Clooneys geheimes Heim

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„Kommen Sie doch bitte rein, Herr Cornelius, schön, dass Sie meiner Wegbeschreibung folgen konnten … ist Ihnen jemand gefolgt?!“ Erstaunlich, wie gut sein Deutsch ist, aber das mit den Sicherheitsvorbereitungen, die er da so trifft, damit niemand herausfindet, wo er denn wohnt, wenn er in Berlin ist, das finde ich selbst für einen Hollywoodstar übertrieben. Aber na gut: Wenn irgendjemand hier in Berlin oder gar in der Nachbarschaft wüsste, dass George Clooney hier im Märkischen Viertel  residiert, dann hätte der wahrscheinlich keine ruhige Minute mehr.
„Bitte behandeln Sie die Adresse vertraulich, Mr. Cornelius, schreiben Sie einfach, das Hochhaus stehe in Lichtenberg … wollen wir den Aufzug nehmen oder doch lieber die Karts?“ „Die Karts?“ „Ja, gute Idee!“ George Clooney lächelt und läuft vor zu einer Art Garage, die sich hinter einer Tür mit der Beschriftung „Müllraum“ befindet. Darin stehen um die 15 verschiedene Renn-Karts sowie das übliche Werkstattmaterial, eine eigene Zapfanlage für Rasenmähersprit („Für wenn der Hausmeister draußen mal ein bisschen Ordnung schaffen will!“) und in einer Ecke sitzen 4 Mechaniker im Blaumann, die Karten spielen und freundlich grüßen. Nach kurzem Smalltalk mit den Männern bittet mich George Clooney, ein Kart meiner Wahl auszuwählen und zieht den Motor an. Schwungvoll nimmt er in einem eigenen Platz und mit einem scherzhaften „Ready, steady, go!“ braust er aus der offen stehenden Tür – ihm dicht auf den Fersen, folge ich.

Zunächst wolle er mir auf einer kleinen Rundfahrt sein Berliner Heim zeigen, brüllt er mir noch zu, als er rechts um die Ecke biegt. Wir fahren durchs Parterre und Clooney erklärt mir über Bordfunk, dass hier unten größtenteils Lagerräumlichkeiten seien, die Eiskammer, die richtige Garage und solche Sachen, aber auch die Tennishalle und die erste Ebene des Golfplatzes wären ebenerdig. Er würde mir gerne noch das Katapult vorführen, mittels dessen man sich von hier unten auch nach ganz oben auf die Dachterrasse in den Pool schleudern lassen könne, aber das sei leider gerade defekt und werde erst die Tage repariert. Ein wenig enttäuscht fährt er fort. In den zweiten Stock und ich hinterher.

Der gesamte Plattenbau-West ist hier völlig entkernt, ein kompliziertes System aus Röhren, Kurven und Geraden durchzieht die nun folgenden Etagen. Clooney fährt voraus, durch die Indoor-Wälder, entlang an echt wirkenden Simulationen von Seen und ist seltsam wortlos. Als wir im 14. Stock ankommen, erfolgt endlich die Auflösung. „Ich bin großer Rennsportfan und da ich glücklicherweise gut verdiene und mir dieses Objekt hier entkernt zum Kauf angeboten wurde, habe ich ein bisschen geträumt und mir hier zehn Grand-Prix-Kurse im Maßstab 1 zu 3 einbauen lassen – inklusive des Nachtrennens in Singapur oder wo auch immer in Asien das ist.“

„Aber lassen Sie uns doch ein bisschen in die U-Bahn steigen, ich tarne mich nur eben kurz.“ George Clooney verschwindet und kehrt verwandelt wieder zurück („Schreiben Sie nichts über meinen Incognito-Look, bitte!“) und nach ein paar Türen stehen wir auf einem U-Bahnhof. Clooney flüstert mir zu, dass dieser U-Bahnhof real sei und echte Menschen transportiere. Dafür habe man lange mit der BVG verhandeln müssen, aber nachdem er zugestimmt habe, für diverse Imagefilme zur Verfügung zu stehen, sei man handelseinig geworden. Wir lassen uns auf einer Bank nieder und lauschen dem Gespräch zweier U-Bahn-Kontrolleure über den Tod.
„Da kommt so ne Grippe … Da werden zweikommaeins Millionen Menschen dran sterben!“ 
„Ja? Also nee, det gloob ick nüscht.“ 
„Doch! Das hat das ZDF ausgerechnet. Das stimmt! Ich war schon beim Arzt. Sagt der: Sie sind aber spät dran! Hab ick jesagt: Egal! Impfen Sie mir, immer rein damit …“ 
„Na dann …“

George Clooney bittet mich durch Handzeichen um eine Simultanübersetzung, statuiert anschließend, dass die einfachen Leute manchmal doch die klügsten Dinge feststellten und fragt, was denn bitte das ZDF sei. Wir steigen in die U-Bahn ein und sind nur wenige Minuten später in der nächsten Station, die wir umgehend verlassen, indem wir, unbemerkt von den Passanten durch ein Werbeplakat der BVG, das den Bahnsteig teilt, zurück in Georges Hochhaus steigen. Beeindruckt über die Weitläufigkeit des Gebäudes und über den exquisiten, und dabei dennoch irgendwie „down-to-earth“igen Geschmack Clooney setze ich mich erneut ins irgendwie herbeigezauberte Kart und wir fahren weiter, passieren die 5-Sterne-Küche aus poliertem und gefärbten Stahl, in dem ein Saucier gerade die letzten Feinheiten einer Sauce Bearnaise zubereitet, durchqueren den überdachten Heliport („Unverzichtbar, wenn ich mal schnell zum Nachdreh nach Babelsberg muss!“) und gelangen schließlich in den mit üppiger Vegetation bewachsenen Wintergarten („Da ist von außen nichts zu sehen dank modernster Stealth-Technologie!“), wo wir halten.

„Sie mögen doch Spaghetti-Eis, Herr Cornelius, hat man mir zugetragen“, wirft George Clooney in den Raum und im selben Moment fahren wie von Geisterhand zwei kleine Podeste aus dem Marmorboden, auf denen mein Lieblingsdessert kredenzt wird. Eigentlich sprachlos, bedingt durch Clooney himself, den wahnsinnigen Luxus der Einrichtung, der von außen so gar nicht zu erkennen ist und bestimmt auch durch die gefrorene Sahne auf meiner Zunge und in meinen Backentaschen, gelingt es mir dennoch, ihn endlich auf das anzusprechen, was eigentlich das Hauptthema unseres Interviews (jedenfalls meiner Meinung nach) sein sollte: die Verlobung des ewigen Junggesellen.

„George, all die Jahre waren Sie unverlobt und haben immer wieder gesagt, sie würden niemals heiraten. Wie kommt es, dass Sie ihre Meinung geändert haben und jetzt angeblich in Bälde diese adrette und intelligente Anwältin, wie heißt sie noch gleich, Amal Alamuddin, nicht wahr, zum Altar führen möchten?“

Es scheint, als sei Clooney etwas irritiert für einen kurzen Moment. „Wenn Blicke töten könnten …“ ist die Assoziation, die mir hierzu durch den Kopf schießt, aber ich verdränge sie recht bald wieder, klopft mir der Oscarpreisträger doch kumpelnd auf die Schulter und sagt, zunächst wolle er mir doch noch gerne ein weiteres hoch interessantes Gimmick seines Hochhauses vorführen, das sehr gerne benutzt werde und dazu auch brandschutztechnisch ein Meisterwerk sei. Gebe es nämlich ein Feuer, so erklärt er mir, müsse man sich nicht durch ein verrauchtes Treppenhaus kämpfen, sondern besteige einfach die mit eigener Luftversorgung versehene Notrutsche, die einen bequem nach unten bringe.

Meinen Einwand, dass das ja hochinteressant sei, ich aber doch eigentlich noch nicht gehen wolle, lächelt er freundlich aber bestimmt weg, ehe er mir einen starken Schubs versetzt und mich in Bauchlage die 27. Stockwerke nach unten rutschen lässt, wo schon ein Teil seines Personals (exakter, ein muskulöser und finster drein schauender Teil des Personals) darauf wartet, mir eine gute Heimreise zu wünschen und doch bitte in der Zukunft ein wenig auf mich achtzugeben.

Ein wenig bedrückt, aber immer noch auch beeindruckt von dem Mann George Clooney, seinem Berliner Gebäude und dem Spaghetti-Eis, besteige ich die U8 in Wittenau, nachdem ich vorher erfolglos versucht habe, durch diverse Plakate wieder ins Hochhaus des Hollywoodstars zu gelangen.

Bilder aus George Clooneys extravagantem Wohnsitz in Berlin finden Sie in Bälde in einer Exklusivausgabe von „Schöner Wohnen“, die gegen Pfingsten erscheint.

Die komplette Reportage über Karl Lagerfelds Hundeherdenzucht entnehmen Sie bitte der Maiausgabe des Bookazins für anspruchsvolle Hundefreunde „SitzPlatzFuß

Heino, Jan Delay und der Zeckenlederladen

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Der Treffpunkt hätte noch vor etwas mehr als einem Jahr etwas seltsam geschienen, aber seitdem er diese Coverversionen bekannter deutscher Rap-, Rock und Pop-Songs auf den Markt geworfen hat, ist es nur konsequent, dass sich der vom volkstümelnden, äh –tümlichen Musikidol zur Trash-Ikone gewandelte Heino für das neu eröffnete „White Trash“ entschieden hat.

Und da sitzt er nun mit einem Pitcher Apfelsaftschorle, begrüßt mich jovial mit Handschlag, Abklatschen und Küsschen rechts, Küssen rechts und Küsschen rechts, setzt sich nieder und klopft auf den Stuhl neben sich mit den Worten „Mein rechter, rechter Platz ist frei, ich wünsche mir den Starreporter Cornelius herbei.“ Und wenn Heino das in seiner dunklen eindrucksvollen Stimme ausspricht, dann sagt man nicht nein. „Schön, dass Sie gekommen sind“, knödelt er, während ich erfolglos versuche, bei den Angestellten des Clubs, die Kellner darstellen eine „Cowa“ (Coca-Cola gemischt mit stillem Wasser, der dernier cri à Berlin) zu bestellen.

„Heino, wie geht es Ihnen?“, meine Einstiegsfrage, mit der ich es bis jetzt noch immer geschafft habe, die von mir so angetroffenen Prominenten und Celebritys aus der Reserve zu locken, zeitigt auch hier Erfolg, denn eh ich mich‘s versehe, spricht der Mann mit den hellblonden Haaren auf mich ein wie ein sonorer Wasserfall im Amazonasbecken. Hauptthema ist natürlich sein derzeitiger Streit mit Jan Delay. Er sei kein Nazi, gut, vielleicht sei er damals nicht so gut beraten gewesen, das Deutschland-Lied in all seinen drei Strophen aufzunehmen, aber schließlich habe er das ja auch nicht im Musikantenstadl zum Besten gegeben. Und immerhin habe er das Horst-Wessel-Lied nicht aufgenommen, auch wenn ihm da der Rhythmus echt erfolgsversprechend vorgekommen sei, um in die Charts einzusteigen. Aber da habe ihm die Rechtsabteilung (Heino hält kurz inne und schmunzelt ob des Wortes) der Ariola (erneutes Schmunzeln) einen Strich durch die Rechnung gemacht.
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Frag doch mal die Affenfrauen – Matthias Schweighöfers Neuer

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“Bitte keine Fotos hier am Set.” Matthias Schweighöfer ist ganz entgegen seines sonstigen Naturells ein wenig kurz angebunden. Nichts vom Strahlemann des deutschen Films ist zu sehen, was auch daran liegen kann, dass er gerade aus der Maske seines für den Herbst geplanten Kinofilms „Frag doch mal die Affenfrauen!“ kommt und im Gesicht genauso behaart ist wie auf dem Kopf. Sein neues Projekt, bei dem er erneut als Hauptdarsteller, Produzent und Regisseur, „aber nicht auch noch als Maskenbildner, gottseidank“, involviert ist, verlangt ihm alles ab.

Wurde ihm zuletzt der Penis abgebissen bzw. die Hoden verunstaltet, was ihn verzweifelt auf die Suche nach seinem eingefrorenen Sperma gehen ließ, so dreht sich seine kommende romantische Komödie um ein Thema, das es so bisher noch nicht im deutschen Kino zu sehen gab: um die Affenfrauen-Kolonie im sachsen-anhaltinischen Langenstein, ganz in der Nähe der bekannten Würstchenstadt Halberstadt. Medial bisher eher vernachlässigt, lediglich der Filmemacher, Fernsehproduzent, Schriftsteller, Drehbuchautor, Grimmepreisträger und Sternbesitzer auf dem Boulevard der Stars in Berlin Alexander Kluge, selbst gebürtiger Halberstädter, hatte einst 1981 ein 27-minütiges Filmfeature über dieses Kuriosum einer fest etablierten Freakshow im Harz gedreht, geht es Schweighöfer nun um etwas völlig anderes.

Es geht mir um etwas völlig anderes bei meinem neuen Film“, macht er gleich von Anfang an deutlich. Nichts gegen Alexander Kluge, aber mein Ansatz hat nichts mit seinem zu tun. Sicher, auch bei mir geht es um die Affenfrauen, aber ein Kinofilm ist ein Kinofilm und ein Kluge-Feature ein Kluge-Feature. Das sind Welten dazwischen.“ Vorsichtig versucht ein Assistent, Schweighöfer einen Strohhalm in den Mund einzuführen, trifft aber wegen des Haarwulstes im Gesicht nur die Nase. Schweighöfer muss aufstoßen und ein Schwall Apfelsaftschorle ergießt sich über sein weißes T-Shirt. Zunächst verärgert, zeigt er sich nur Momente später nachdenklich: „Sehen Sie, Cornelius! Mit genau solchen Problemen schlagen sich auch die Affenfrauen tagtäglich herum. Da kann man schon mal ins Grübeln kommen.

Gemeinsam kommen wir ins Grübeln, aber nach fünf Minuten frage ich dann doch: „Herr Schweighöfer, wie kommt man als junger Star des deutschen Films dazu, einen Film über das Dorf der Affenfrauen zu drehen?“ „Interessante Frage, aber das ist eigentlich ganz einfach, denn mein Urgroßvater väterlicherseits war Anthropologe und hat einst dort eine Großtante adoptiert, die er dann wie eines seiner leiblichen Kinder in Gralvenbroich ob der Tauber in einer großbürgerlichen Villa aufzog. Daher die Idee zum Film. Wir haben uns überlegt, wie es ist, wenn ein moderner junger Mann in der Großstadt Berlin auf einmal feststellt, dass seine Vorfahren Affenfrauen waren? Welchen Einfluss das auf seine Zukunftsplanung haben könnte, wie man das ganze unterhaltsam in der Metropole, aber auch vor Ort in Langenstein umsetzen könnte und wie man da vielleicht auch noch eine kleine Romanze einbauen könnte, die dem Protagonisten vor Augen führt, dass die Affenfrauen da am Fuße des Harz vielleicht doch die besseren Menschen mit der gesünderen Lebenseinstellung zum Leben sind.“

Und dann umreißt er kurz sein Drehbuch, während wir, von der Affenfrauenbevölkerung in Langenstein keines Blickes gewürdigt, durch den Ort streifen und er hin und wieder an einer überdimensional langen Zigarettenspitze seine West-Zigaretten („Auch Rauchen will gelernt sein!“) zieht („Nicht, dass der Kleber Feuer fängt und ich in Flammen stehe.“) Paul mistet den Keller seiner gerade gestorbenen Oma aus und findet darin ein seltsames Fotoalbum, in dem ein über und über behaartes Mädchen immer im Mittelpunkt steht. Voller Fragen sucht er seine Eltern auf und stellt dort überrascht fest, dass es einen Grund dafür gab, dass sein Vater mit der ganzen Familie früher im Sommer immer nach Grönland gereist ist und niemals mit ins Schwimmbad kam: denn Vater fläzt sich „nackt“ und bepelzt vor auf einer Sonnenliege an seinem Swimmingpool.

Entsetzt wegen des fehlenden Vertrauens in ihn und seine mittlerweile bei einem Lawinenunglück gestorbenen Brüder stellt er ihn zur Rede. Es kommt zum Streit, Pauls Vater wirft ihm völliges Unverständnis vor und Paul beschließt, seinem Vater zu zeigen, dass ihm sein altes Leben als arbeitsloser Consultant in der Werbebranche rein gar nichts bedeutet und er sehr wohl verstehe, was ein Leben als Affenmensch bedeute. Ein befreundeter Maskenbildner (Milan Peschel) beklebt ihn also über und über mit in einem Hundesalon geklauten Haar und in seinem Cabrio macht er sich auf in den Harz.

Hier wird er von den Touristen gut behandelt und gern fotografiert, aber die Affenfrau Caro (Nicolette Krebitz) lässt ihn bei jeder Gelegenheit auflaufen, versteht seine Witze nicht („Sag mal, was magst Du lieber: Bananen oder Kokosnuss?“) und findet es ziemlich daneben, dass Paul ein öffentliches Karaoke wie im Mauerpark in Berlin einführt, bei dem nur Songs vorgetragen werden dürfen, die etwas mit Tieren zu tun haben („Who let the dogs out?“ „After the fox“ von Peter Sellers, Gerald Lindingers Version von „Ein Hund kam in die Küche“ oder das Theme von Shaun das Schaaf zum Beispiel), was sogar internationale Medien auf Langenstein aufmerksam macht und Paul zu einem Youtube-Hit werden lässt.

Paul fliegt um die Welt, tritt in Talkshows auf, merkt aber bald, dass ihm die Aufmerksamkeit nicht persönlich weiterbringt, dass nicht die Person Paul Schnitzig zählt, sondern nur sein Image als Affen-Mensch-Freak gehypt wird. Wieder einmal flüchtet er, dieses Mal nach Berlin, lässt seine Verkleidung abrasieren und betäubt sich mit Alkohol, als sein Vater vor der Tür steht, ihn auf den Beifahrersitz verfrachtet und man gemeinsam ins Dorf der Affenfrauen fährt.

ACHTUNG SPOILER: In Langenstein gesteht er Affenfrau Caro seine Liebe und dass er die ganze Zeit ein ziemlicher Arsch war, diese freut sich über das eine und verzeiht ihm das andere und im Abspann sehen wir Polaroids aus ihrem weiteren Leben, ein Affenmenschen- und ein Menschenbaby, ein gemeinsames Familienaffenhaus und so weiter und so fort. Schweighöfer hat sich ein wenig heiser geredet, sein Assistent kommt mit einem weiteren Napf voll Apfelsaftschorle, visiert dieses Mal genauer als zuvor und alles funktioniert unfallfrei. Wir verabschieden uns – ich zurück nach Berlin, er zum nächsten Set – und höchst melancholisch mit treu-schelmischem Schweighöferblick deklamiert er zum Abschied die Worte: „Wie ich das alles vermissen werde hier …“