Mit Dieter Bohlen in der Realität

Von · Hier kommentieren…

Also mit der Realität, da verhält es sich ja so, dass nicht all das, was real erscheint, auch wirklich wirklich ist. Ich erinnere mich da gerne an den berühmten Wissenschaftler, Name ist mir leider entfallen, der, gefragt nach der Realität nur keckernd ausrief: ‚Realität?!? Wo haben Sie die denn jetzt her?!‘ Und genau auf diese Weise erlebt man tagtäglich Dinge, die auf den ersten Blick rational erklärbar sind, aber dann doch bei genauerer Betrachtung der Realität nicht standhalten.“

Was als geplantes Geplänkel zum Auftakt von „Deutschland sucht den Superstar“ geplant war, ein kurzer Ausflug zu meinem guten Freund und Bekannten Dieter Bohlen, hat eine Wendung genommen, die selbst ein Starjournalist wie ich es einer bin und bleibe, nicht hat können kommen sehen. Kaum bin ich aus dem Exit des Flughafens in Palma gestiegen, habe Dieter schon vom Gepäckband draußen auf mich warten sehen und mit den Worten „Mallorca, Isn’t it really, really great?!“ begrüßt, bin ich von jetzt auf gleich in einer Diskussion über Zeit, Unendlichkeit und Realität gefangen.

Der Mann, von dem Deutschland nur seine bösen und ehrabschneidenden Witzchen kennt, die er so über die Casting-Opfer macht, während ein kleinwüchsiger Sprechsänger neben ihm thront und eine blonde Frau, die sich ernsthaft „Mieze“ nennt, dieser Mann, den viele für den Untergang des musikalischen Abendlandes halten, er hat, was nur wenige wissen, auch eine andere, eine nachdenkliche Seite, gar eine philosophische und naturwissenschaftlich fundierte.
weiterlesen…

Fällt aus wegen Urlaub

Von · Hier kommentieren…

Florian Cornelius ist im Urlaub und konnte deswegen diese Woche keine Prominenten treffen. Er schickt uns aber diese Grüße:

20140719_193057

Rihanna in Rerik

Von · Hier kommentieren…

„Deutschland, Deutschland, überall auf der Welt weiß man, dass die beste Mannschaft überhaupt die Weltmeisterschaft gewonnen hat.“ Rihanna bekommt sich gar nicht mehr ein, als wir am Friedhof vorbei zum Strand von Rerik flanieren. Sie ist direkt von der Fanmeile mit dem ICE nach Rostock, dort am Bahnhof zusammen mit mir in den Interregio 13132 eingestiegen, hat sich gefreut, dass sie niemand, aber auch wirklich niemand zu einem gemeinsamen Selfie eingeladen hat und ist dann von Bad Doberan, chauffiert von meiner Wenigkeit mit einem Sixt-Mietwagen und einem Sixpack Mezzomix im Kofferraum gen Rerik gefahren.

„Rerik, das klingt so deutsch, so deutsch wie Fußball, Tor und Mario Götze, und außerdem ist es ja auch fast eine Insel wie mein Barbados. Schau, Florian, da stehen Kornblumen am Wegesrand! Lass uns welche Pflücken!“ Gesagt, getan. Während sich eine Klette nach der anderen in meiner Kleidung verfing, verbrannte sich Rihanna dezent an den Brennnesseln, war aber dennoch verzückt von der Urtümlichkeit und Unverfälschtheit der Natur. „Just like on Barbados!“

Und dann waren wir endlich in Rerik angekommen, hatten uns in unserer Ferienwohnung von Ferienwohnung Salzhaff häuslich eingerichtet, Rihanna ihren Schrankkoffer, ich meinen Trolley, ausgeräumt und uns für einen Joint auf dem Balkon gegenüber des „Gasthofs Zur Linde“ zurückgezogen und Pläne für die kommenden Tage gemacht. Was wollte Riri hier eigentlich an der Ostsee? Wer hatte ihr diesen Ort ans Herz gelegt und wieso war gerade ich ausgewählt worden, sie bei all dem zu begleiten? Rihanna, die erfolgreichste Künstlerin der vergangenen Dekade mit Welthits in rauen Mengen, Quadrilliarden Fans bei Facebook und Twitter, ständig in den hochwertigsten Magazinen von Bunte bis „Goldenes Blatt“ bis „InStyle“ und Co. mit Titelstories … warum verdammt nochmal Rerik, wenn es das Taj Mahal sein könnte?
weiterlesen…

Wolfgang Niersbach außer Rand und Band

Von · Hier kommentieren…

Wenn man so an die vergangenen DFB-Präsidenten zurückdenkt, dann kann man sich schon ein wenig an der Sachlichkeit des aktuellen Präses erfreuen. Hermann Neuberger, der als der zwielichtige Strippenzieher aus dem Saarland bekannt war, Egidius Braun, der gegen Ende seiner Laufzeit immer ein wenig an eine der auftretenden Personen in „Die Nacht der reitenden Leichen“ erinnerte, Gerhard Mayer-Vorfelder, der immer ein wenig aussah, als ob er nicht wisse, als was er gerade fungiere, aber Hauptsache, es gab was Alkoholisches zu trinken und dann auch noch Theo Zwanziger, der beim DFB wusste, was wirklich zählte, nämlich er und er alleine und auch noch Theo Zwanziger.

Niersbach hingegen, jahrelang Pressesprecher, immer etwas linkisch, gelernter Journalist (wir kennen uns von der Abendschule in Rommerskirchen-Nettesheim) und ein absoluter Profi, jahrelang durchs Stahlfeuer der erfolglosen Trainersuchen gegangen, immer absolut gehorsam wie ein deutscher Schäferhund, nie ein Ausreißer wie Peco Bauwens „Deutschland, Deutschland, über alles“, ein Vorbild nicht nur für alle Pressesprecher der Welt, sondern auch menschlich einer von den Guten, messerscharfer Intellekt, gutaussehend, als Hobby Rauchen und Radfahren, wie er einmal der Bravo Sport in einem Fragebogen mitteilte, kurz gesagt: ein Klassemann, der Wolfgang – und das sage ich völlig wertfrei und nicht nur, weil ich ihn kenne, sondern weil es stimmt.

Eben dieser Wolfgang Niersbach ist es doch tatsächlich, der mich zum Halbfinale gegen Brasilien in Belo, Belo é Imposibilé, eingeladen hat, das Spiel Seite an Seite mit ihm und vermeintlichen FIFA-Funktionären anzuschauen, die etwas bedröppelt wirken und sich ausdauernd mit wie zusammengetackerten Tickets aussehenden Fächern Luft zufächeln lassen. Alle sind sie da, die auch immer da sind. Joao Havelange (lebt der noch oder ist der ausgestopft hier), Julio Samaranch und auch Sepp Blatter da. Letzerer begrüßt mich freundschaftlich, tätschelt mir sachte die Seite und verliert dabei anscheinend ein Bündel Dollarscheine, das genau in meine Jackentasche fällt.

Als ich sein Versehen später auf der Straße bemerke, hilft mir ein freundlicher nicht akkreditierter FIFA-Volunteer, der mir ins Kreuz stolpert und „You give me all money!“ fordert, um anschließend um eine Stadionecke zu biegen, alles dem FIFA-Oberhaupt wieder zurückzugeben. Freundlich sind sie ja. Und schnell auch, die Brasilianer, jedenfalls die neben dem Platz, wie ich bemerke.

Wir setzen uns auf unsere Diwane, lassen uns von livrierten Sklaven Köstlichkeiten servieren, erfreuen uns an den vor uns platzierten Pos der Spielerfrauen und genehmigen uns den ein oder anderen Schluck des Budweiser.Champagners, der hier exklusiv auf der WM ausgeschenkt wird. Ganz vertieft in Cathy Fischer verpasse ich tatsächlich die knappe Halbzeitführung, aber dennoch informiert mich Wolfgang über das aktuelle Ergebnis. Ein berittener Bote, dessen Sinn ich in meinen Tagträumen hier im Stadion so gar nicht verstanden habe, den ich aber auch in Anbetracht von Frau Fischers Anwesenheit in 3 Meter Luftlinie auch nur rudimentär wahrgenommen habe, bringt zwischen der elften und der 29. Minute fast minütlich Telegramme auf Pergamentrollen, auf denen neben dem Torschützen auch der Vorlagengeber angegeben ist. „Stil muss man haben“, lobe ich nun endlich und Wolfgang ergänzt „man muss ihn sich aber auch leisten können.“ Beide stoßen wir unsere Kristallkelche zusammen.
weiterlesen…

Per Mertesacker über Eis, Gauß und 78 Kugeln

Von · Hier kommentieren…

Was gab es für einen #aufschrei, als der Abwehrleuchtturm Per Mertesacker nach dem letztendlich doch sehr überzeugenden Kantersieg über die überraschend genau so starken wie grünen Algerier im Interview den Reporterkollegen Boris Büchner etwas böse anfuhr und vor die Auswahl „frühes Ausscheiden bei schönem Spiel“, „spätes Ausscheiden bei hässlichem Spiel“ oder „Tor 3 und ein blauer Umschlag … na gut, und 10, 20, 30 Euro“ stellte. So kannte man ihn nicht, den ansonsten stoischen deutschen Abwehr-Recken aus Hannover, der normalerweise alles so weghaut, was Richtung 16er unterwegs ist und ankündigte, sich die nächsten Tage in die Eistonne zu legen.

Dennoch ist er auch am Tag danach noch aufgebracht, als ich ihn nach kurzem Whatsapp-Chat dazu überreden kann, mich im Kühlraum des Anwesens in Santa Bahia de Compostela zu treffen. Zwischen Rinderhälften und tiefgekühlten Nudelspezialitäten erscheint ein Mann, der immer noch dampft, ja brennt und zu Beginn des Interviews deutlich klarmacht, dass er nur deshalb gekommen sei, weil er nach meinen bisherigen Reportagen aus Brasilien der Überzeugung sei, dass „Du rein gar keine Ahnung von Fußball hast, Cornelius. Und deshalb spreche ich da jetzt auch nicht drüber mit Dir!“
weiterlesen…