Beckmann macht jetzt Musik

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Es ist immer wieder erstaunlich wie sehr klassische Verlage die sozialen Medien, beziehungsweise das Web 2.0 unterschätzen, doch es passiert immer wieder.
Reinhold Beckmann, bekannt aus dem Fernsehen, versucht sich nun in Musik. Wir möchten die Qualität dieser Platte gar nicht beurteilen, das könnt ihr hier selbst tun, sondern eher darauf eingehen, was Stefan Niggemeier hier geschrieben hat:

Die Fünf-Sterne-Rezensenten [auf Amazon d. Red.] haben aber auch abgesehen von ihrer überschwänglichen Begeisterung auffallende Ähnlichkeiten. 27 der 33 Spitzenwerter haben auf Amazon nichts rezensiert außer der fantastischen Beckmann-Platte. Und keiner von ihnen scheint das Album bei Amazon gekauft zu haben, was sonst bei Amazon-Rezensenten eher die Regel als die Ausnahme ist.

Auf Amazon scheint sich das Album bislang jedenfalls nicht besonders gut zu verkaufen, obwohl Beckmanns Musik-Projekt größere Aufmerksamkeit in den Medien bekam und zum Beispiel sein Haussender, der NDR, ihn in die »NDR-Talkshow« einlud und dort anscheinend als »deutschen Van Morrison« ankündigte. Vielleicht helfen ja die vielen »Top Kauf!«- und »Musikalisches Highlight«-Besprechungen von Leuten, die sich zufällig alle gerade dafür bei Amazon angemeldet haben.

Das Internet reagiert darauf in klassischer Manier und schreibt noch jubelndere Rezensionen als die mutmaßlich gekauften:

Jens Schüßler:

Ein must-have für Fans chilliger Ober– und Zwölftonmusik

Im Jahre 1889 lernte der französische Komponist Claude Debussy die indonesische Gamelan-Musik während der Pariser Weltausstellung kennen und war begeistert. Sofort versuchte er, die Tonleitern dieser Musik auch für seine eigenen Kompositionen zu verwenden. Auch der Ragtime, ein Musikstil, der von schwarzen Pianisten im Süden der USA entwickelt worden war, interessierte ihn sehr und inspirierte ihn zu einigen Kompositionen. Zur selben Zeit schrieb der schon ältere tschechische Komponist Antonin Dvorcak während eines Amerikaaufenthaltes die Sinfonie “Aus der Neuen Welt”. In dieser verwendet er indianische und afroamerikanische Themen in einer Weise, die der Einbeziehung europäischer Volksmusik in den Kompositionen von Brahms, Mahler und Grieg entsprach. Diese Offenheit für außereuropäische Musik setzte sich weiter fort und war eine wichtige Quelle für den Durchbruch zur Atonalität. So hat etwa Igor Strawinskys in seiner Ballettmusik “Sacre du Printemps” aus dem Jahre 1913 Einflüsse aus dem russisch-asiatischen Raum verarbeitet. Unter dem Eindruck der explosionsartigen Verbreitung der Jazzmusik in den 20er Jahren schrieben u.a. Strawinsky, Paul Hindemith und Ernst Krenek Kompositionen, die vom Jazz beeinflusst waren. In den USA versuchten George Gershwin, Paul Whiteman und Aaron Copland, einen amerikanischen Kompositionsstil unter Einbeziehung von Jazzelementen zu entwickeln.

Alles das toppt Beckmann nun mit diesem Album. Ein must-have für Fans chilliger Ober– und Zwölftonmusik.

Karte für das Konzert in Harsewinkel lag schon unterm Weihanchtsbaum. Wir sehen uns dort

 

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