Schnelle Nummern mit Sylvie Meis, geborene van der Vaart

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Sylvie van der Vaart, Glamourgirl, Spielerfrau, RTL-Jury-Mitglied, Luder oder Nichtluder, Spätzünderin oder Fächerkrümmerin, blond oder braun, auch ein Florian Cornelius liebt alle Fraun‘ – und interessiert sich nicht nur für die angebliche intellektuelle Elite Deutschlands und der Welt. Aber wie ist diese Frau, von der wir dank Bildzeitung und geschickter PR-Arbeit vermeintlich alles wissen. Sicher, sie erzählt gerade in der Bild, wie ihr wahres Leben aussieht, was sie von Sabia, Raffael und dem HSV so hält. Sie gibt Privates preis, aber vielleicht ist da ja auch noch etwas, was die Öffentlichkeit noch nicht von ihr weiß. Kurz gesagt: ein Fall für Florian Cornelius.

Sylvie und ich treffen uns im Audimax der Jacobs-Elbphilharmonie-Universität, ein ungewohnter Ort für ein Gespräch, zumal hier gerade eine Vorlesung zum Thema „Toruswirkungen auf symplektischen Mannigfaltigkeiten“ bei Prof. Dr. Oliver Goertsches im Gange ist. So stößt meine herzliche Begrüßung, ein joviales „Hallo Sylvie!“ sowie der von mir mitgebrachte Strauß roter Rosen bei den Kommilitonen auf Unverständnis, wenn nicht gar offene Ablehnung. Sylvie hingegen errötet allerliebst, bittet mich, von nun an leise zu sprechen „Am besten ist Flüstern.“ Ein Interview im Flüsterton – warum nicht. Redete Sylvie so auch mit Rafael, wenn sie vertraut zusammen einschliefen, damit das Baby nicht wach wurde?

Aber Schluss mit Tagträumereien. Kommen wir zum Thema: „Sylvie, Du hattest meine Themenvorschläge für unser Gespräch rundum abgelehnt, wolltest nicht über Dein Ehe oder Dein Sexleben reden, nicht über Rafa, nicht über Sabia, nicht über ‚Let’s dance‘ und nicht über Deine Karriere. Stattdessen schlugst Du vor, mit mir darüber sprechen, ob es ungerade vollkommene Zahlen gebe oder nicht. Wieso?“

Sylvie strahlt: „Weil ich mehr bin als die Klatsch- und Tratschnummer und mich auch für anderes interessiere als die neue Gala oder InStyle. Schau Dir das hier an, das ist mein wahres Leben, die Mathematik. Zahlen, die Ordnung, die Mannigfaltigkeit der symplektischen Toruswirkungen. Ich habe mir extra diese schicke Nerdbrille in Berlin Neukölln besorgt, damit ich dieser einen Schauspielerin in ‚Eine wie keine‘ mit Freddie Prince Junior ähnlich sehe – von Armani, einem meiner Lieblingsdesigner!“

Alles fing an mit der Rückennummer von Rafa, erzählt sie. Die 23. „Die 23 ist eine ganz besondere Zahl für mich. Nicht nur, dass Rafael sie auf seinem Trikot trägt; ich sehe da auch eine ganze Menge anderer Assoziationen. Meinen ersten Sex hatte ich an meinem 23. Geburtstag, ich wurde am 13. April geboren, was genau 10 Tage vorm 23. April ist, Jesus hatte 23 Apostel und auch die Kabbala kennt die 23 als ganz besondere Zahl.“ Hier muss ich unterbrechen: „Aber steht die 23 in der Kabbala nicht für folgende drei Attribute: ungläubig, misstrauisch und kritisch. Wie passt das zusammen?“ „Aber auch für schön, rot und schön rot! Aber das ist ja nur Glaube, Herr Cornelius! Viel wichtiger sind mir da doch die Fakten, das was beweisbar ist, nachprüf- und erfassbar ist und gleichzeitig einfach nur schön, ich nenne es die wahre Mathematik!“

Aus Sylvie van der Vaart sprudelt es im Flüsterton heraus, aber irgendwann werden wir dann doch hinauskomplimentiert und wechseln in die Mensa, wo sich Sylvie ein Cordon Bleu mit Pommes bestellt und mich am Tisch erneut überrascht „Wie viele Pommes sind auf meinem Teller? Ich sage es Ihnen: 46! Wie ich das mache? Es ist eine Inselbegabung, ich bin eine Savante. Kein Wunder, dass es mich zu den Zahlen so hinzieht wie einen Hund zur Katze.“ Ich bin beeindruckt, denn so hatte ich die fesche Blondine bisher in keinster Weise eingeschätzt. Das geschmähte Püppchen aus Holland eine Art Genie? Oder hat sie gemogelt und kennt die Mensaanweisung, dass zum o. g. Fleischkäseschinkengericht genau 46 Pommes Frites gereicht werden müssen? Ist alles nur Schmuh, Lug, Trug und Humbug?

Glücklicherweise ist ein entfernter Bekannter Mathematiknobelpreisträger und hat mich im Vorfeld gebrieft: „Sylvie, Du hattest mir im Vorfeld gemailt, dass Du Dich derzeit hauptsächlich mit vier der bisher ungelösten mathematischen Probleme beschäftigst, der Goldbachschen Vermutung, dem Collatz-Problem, dem Haupt- und Nebenzahl-Paradoxon nach Palmian sowie der abc-Vermutung. Bitte erkläre mir als Laien doch einmal … sagen wir mal, das Haupt-und-Nebenzahl-Paradoxon.“

Sylvies Augenaufschlag ist, das muss man selbst als redegewandter Journalist konstatieren, auch, wenn es stilistisch schief klingt, eine Augenweide. Ihr Lächeln lässt mich innerlich zwar schmelzen, aber meine Ratio bleibt intakt. Jetzt muss Sylvie liefern. Nachdem Sie ein Stück Fleisch aufgespießt und in die Champignonsoße getunkt hat, liefert Sylvie. Und wie sie liefert: Sie erläutert die Historie des großen Mathematikers Palmian, rezitiert dessen berühmten Ausspruch „Alle Hauptzahlen sind keine Nebenzahlen, solange wie sie Hauptzahlen sind.“ und erklärt, dass Palmians Theorie gerade deshalb besonders „tricky“ sei, weil dieser nach einem ganz eigenen konträren transzendentalen Nummernsystem gearbeitet habe, in dem diverse Buchstabenfolgen neue Zahlengebilde ergeben.

Kurz zusammengefasst, statuiert sie: „Auf Gutdeutsch: Wenn Pi gleich Alpha minus Epsilon größer gleich Unendlich, dann ist Mü im Quadrat divergär mit gleich Plusminus Pfund. Das ist eine linear unabhängige adjunktive Evidenz, Herr Cornelius, aber das Muster, das es ergibt, ist nahe an der Formel für das Naturweltgesetz und gleichzeitig auch so schick, dass ich es auf meine neue Handtaschenkollektion drucken werde. Das Paradoxon der Haupt- und Nebenzahlen ergibt summa summarum vollkommene Zahlen. Das meint Palmian, aber leider gelang es ihm selbst nicht, Beweise für seine Vermutung vorzulegen. Ich denke, ich habe das Thema für meine Doktorarbeit gefunden.“ Und das denke ich auch, als ich meinen letzten Schluck Kaffee aus einem der unitypischen schwarzbraunen Plastikbecher getrunken habe, Sylvie Meis, geborene van der Vaart mich anstrahlt und ich so in Gedanken bin, dass ich einen vorbeihastenden BWLer gedankenabwesend darum bitte, mir die Rechnung zu bringen: „Das geht auf mich.“