Roland Emmerichs Probleme mit seinem neuen Godzilla-Projekt

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Schwabenspielberg. Ohne, dass dieses Wort erwähnt wird, darf in Deutschland kein Artikel über Roland Emmerich, Regisseur von Meisterwerken wie „Anonymous“ (mit Ralph Fiennes), „Krieg der Welten“ (Will Smith) oder „Godzilla“, abgedruckt werden. Das haben die Mainstream-Medien (Ken Jebsen) irgendwo im Hinterzimmer entschieden – und so habe ich mich ebenfalls dazu entschieden, diesen Artikel sogar mit diesem Begriff zu beginnen. Und genau diesen Regisseur von der berühmten Filmhochschule in Stuttgart treffe ich heute, um mit ihm über die gerade begonnenen Dreharbeiten zu seinem neuen Film in Babelsberg zu sprechen. Und dieser Film hat, womit keiner gerechnet hat, gerade einen völlig unerwarteten Zeitbezug gewonnen, handelt es sich doch um einen der berühmten „Vs-Filme“.
Filme, in denen Gut gegen Böse kämpfen, gibt es wie Sand am Meer, so wie es Sand am Meer so viel gibt wie Sand am Meer, vorausgesetzt, man lässt Kieselsteinstrände außen vor. Rocky Balboa kämpft gegen Drago und Co. James Bond gegen Blofeld oder Männer mit drei Brustwarzen und Til Schweiger gegen Keinohrhasen, aber diesen Filmen mangelt es an der Umsetzung dieser Kämpfe schon im Titel. Anders hingegen Roland Emmerichs neues Werk, dass das „versus“ als zentralen Bestandteil des Namens trägt. Wir treffen uns ganz entspannt im Plenarsaal des neues alten Schlosses in Potsdam, wo wir durch gute Kontakte Emmerichs auch köstlich mit den Überresten eines reichhaltigen Buffets vom vorabendlichen Empfang verköstigt werden.

Das „Kufladen-Paradox“

„Herr Emmerich, eigentlich wollte ich heute mit Ihnen völlig wertfrei über Hollywood, ‚Krieg der Welten II‘ und den Drehort Babelsberg mit Ihnen sprechen, aber dann habe ich doch noch mal in die Pressemappe geschaut und zwei Dinge festgestellt: Erstens: Dass Ihr neuer Film wohl Ihr erster wirklich politischer Film ist und zweitens, aber das hat nicht direkt was mit Ihrem Film zu tun, dass die beiden Worte ‚Kaufladen‘ und ‚Kuhfladen‘ identisch sind, wenn man jeweils einen Buchstaben streicht. Erstaunlich, nicht wahr?“
Roland Emmerich grübelt zunächst und stimmt mir dann zu, dass beide Feststellungen wohl zutreffen, wobei „Independence Day“ schon auch politisch gewesen sei, schließlich habe der amerikanische Präsident dort eine große Rolle beim Zurückschlagen der Aliens gespielt, was ja doch gesellschaftsrelevant sei. Ich tue so, als sage mir der Name „Independence Day“ irgendetwas und beschließe, in naher Zukunft mal in einer Bibliothek ein Lexikon zu konsultieren, um mich näher zu informieren. Dennoch liegt mir das aktuelle Filmprojekt mit Leonardo di Caprio, Colin Farrell, Mark Wahlberg und Brad Pitt näher, als die „Kufladen“-Frage, weswegen ich ihn auch direkt darauf anspreche.
„Herr Emmerich, Ihr neuer Film ist einer der, wie die Filmwissenschaftler sagen, ‚Vs-Filme‘. Was hat Sie dazu bewegt und wie kam es gerade zu diesen beiden Gegnern?“

„Jeder vs. Jeden“

Emmerichs Augen glänzen. Er startet ein einmaliges und anschauliches Kurzseminar zum Thema, erwähnt Filme wie „Batman vs. Superman“, „Theo gegen den Rest der Welt“, „Lola gegen den Rest der Welt“, „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ sowie „Batman vs. Superman“ und kommt dann schließlich zu seinem neuen Projekt, nicht um vorher noch seine Faszination für das Ungeheuer Godzilla zu erwähnen, der Monsterechse aus Japan, der er ja auch schon in einem ersten eigenen Remake huldigen durfte.
„Ich habe lange überlegt, wie der Ansatz zu einem neuen Godzilla-Film aussehen könnte. Godzilla hatte schon so viele Gegner, „Godzilla vs. Baragon“, „Godzilla vs. Gamera“, „Godzilla vs. Megaguirus”, „Godzilla vs. Destoroyah”, „Godzilla vs. Mothra“, „Godzilla vs. Battra“ … und bei mir wars dann nur „Godzilla vs. Matthew Broderick“. Kurz gesagt: Godzilla brauchte einen neuen Gegner. Möglichst genauso zerstörerisch, genauso hohl wie ein Godzillakostüm, bevor ein Puppenspieler hineinsteigt und mindestens genauso hässlich. Eine echte Gefahr, der die Polizei machtlos gegenüber steht. Das waren meine Gedanken. Naja, und dann ist das alles irgendwie aus dem Ruder gelaufen.“
Traurig erzählt er von dem so schrecklich schief gegangenen Casting in Köln am Hauptbahnhof, von den Schwierigkeiten, in Hamburg erneut Darsteller anzuwerben und dem geplatzten Versuch, Anfang November am Pariser Platz einen erneuten Versuch zu unternehmen. „So viele Probleme hatte ich noch nie bei der Arbeit an einem Film. So wie es jetzt aussieht, werde ich einige Millionen mehr in die CGI-Effekte investieren müssen, als das Studio eingeplant hatte.“

„Hooligans vs. Godzilla“

Seine filmische Vision sei ihm aber wichtiger, weswegen er auch bereit sei, selber ins Risiko zu gehen. Aber er werde sich nicht entmutigen lassen und sei sicher, dass „Hooligans vs. Godzilla“ ein echter Kassenerfolg werde. „Godzilla hat immer zuerst gekämpft, von daher ist es jetzt einmal andersrum. Aus dem übrig gebliebenen Ei aus meinem ersten Film ist ein Godzilla geworden, der unter den Trümmern diverser U-Bahn-Tunnel begraben wurde, aber dennoch weiter gewachsen ist. Durch den Einsturz des New Yorker Stadtarchivs nun wird dieser Drache befreit und eine Gruppe Hooligans versucht, dem Problem dieses Drachens Herr zu werden. Das ist die Synopsis.“
Die Geldgeber hätten zunächst den Kopf geschüttelt und vorgeschlagen, doch entweder einen Hooligan-Film oder aber einen Monsterfilm zu drehen, aber er habe abgelehnt – wegen der „Vs“-Idee. „Hooligans vs. Salafisten“ sei ihm zu absurd erschienen, kurzzeitig habe er mit dem Gedanken eines Lehrfilms mit dem Titel „Hooligans gegen Bei-Rot-über-die Ampel-Laufen“ oder einem Sozialdrama mit Handlungsort Neukölln und dem Titel „Hooligans gegen Veganismus“ gespielt, aber das sei ihm alles zu unrealistisch erschienen und nach langem Ringen habe er die deutsche Filmförderung dazu gewinnen können, seinen Film zu finanzieren, wenn denn sichergestellt sei, dass Iris Berben die erste weibliche US-Präsidentin darstellen dürfe.
Brad Pitt und Collin Farrell hätten ja in ihren Filmen schon mal sowas wie Hools gespielt, Mark Wahlberg ginge auch als einer durch und di Caprio habe immer schon einmal bei einem Emmerich-Film mitspielen wollen – die Kosten für die Darsteller seien überschaubar, da alle vier unbedingt an diesen Film glaubten und für das Honorar eines Zirkusclowns beim fahrenden Volk mitmachten. Wenn ich wolle, könne er mir gerne mal das Set in Babelsberg vorführen. Da sei man gerade dabei, mit einer größeren Gruppe von Statisten die Zerstörung des Chrysler Buildings nachzustellen, das man dort in Originalgröße aus Sperrholz nachgebaut habe. Begeistert stimme ich zu und wir verlassen das Stadtschloss, als es plötzlich auf Roland Emmerichs Smartphone mit der Melodie der „Schwäbschen Eisenbahne“ klingelt.
Der Einbruch der Realität in die Wirklichkeit
Die Mine des Regisseurs verfinstert sich, dann aber atmet er tief durch und lächelt sogar ein wenig. Die Hooligans hätten den Befehl des Aufnahmeleiters, „Und Action!“ wohl missverstanden und bei der Generalprobe alle Kulissen sowie die anwesenden Stars aus Hollywood kurz und klein geschlagen. Zum Glück habe man alles auf Kamera aufgenommen und könne es mit ein bisschen Trickserei im Schnitt geraderücken – mitnehmen könne er mich jetzt leider nicht. Das Gelände sei von der Polizei zum Abtransport der Verletzten gesperrt worden. Er lädt mich ein, noch ein wenig an der Havel spazieren zu gehen und ein wenig melancholisch stimme ich zu.

Den vollständigen Bericht inklusive exklusivem Fotomaterial von den Dreharbeiten zu „Hooligans vs. Godzilla“ bzw. „Hooligans gegen Godzilla“ (HogeGo) finden Sie in Kürze als DVD-Beilage der InTouch.