Nicole Kidman ist kein Echsenwesen

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Zugegeben, die Theorie, dass eine Rasse von außerirdischen Reptoiden die Erde in einer Art Hohlwelt bewohnt, aber auch gleichzeitig die Gesellschaft in einer Reptilienverschwörung unterjocht und die Menschheit versklaven möchte, erscheint ein wenig abwegig. Erschreckend, dass Menschen wie Queen Elizabeth, George W. Bush, Barack Obama, Jennifer Lopez, Godzilla, Daniel Craig, Nicole Kidman, aber auch Bundeskanzlerin Angela Merkel reptiloide Formwandler sein sollen, die in der Öffentlichkeit als „normale“ Menschen auftreten, zu Hause aber Blut trinken und den Untergang der Menschheit vorbereiten – wobei ihr Verhalten auch verständlich ist, wenn es denn wirklich so wäre.

Wer würde beispielsweise den neuen Film von Frau Kidman sehen wollen, wenn eine 3 Meter große Echse in eleganten Kleidern Grace Kelly darstellen würde, wer würde Frau Merkel in ihrer Echsengestalt noch wählen wollen … und wie sähe es aus, wenn eine bekrönte Echse jedes Mal das frisch gewählte House of Commons eröffnen würde? Nichtsdestotrotz verdient es Aufklärung, ob denn da an diesen Gerüchten irgendetwas dran ist, weswegen ich mehrere der vermeintlichen Echsenwesen über ihr Management kontaktiere und um Interviewtermine bitte.

Größtenteils erhalte ich Absagen, Barack Obama sei angeblich unabkömmlich, Donald Rumsfeld weiß irgendwie schon von meinem Ansinnen und erteilt eine förmliche Absage, in der er darauf verweist, zum Thema „Bin ich eine Echse aus dem All“ in einem gemeinsamen Interview mit Louis CK schon alles gesagt zu haben. Lediglich Frau Kidman erklärt, dass ich sie gerne in ihrem Haus in Malibu besuchen könne, sie habe gerade sturmfrei und freue sich auf meinen Besuch.

Das Ticket für meine Anreise ist schnell gebucht und so klingele ich nur zwei Tage später am sehr frühen Morgen gegen 7.00 Uhr am Mehrfamilienhaus, das seltsamerweise der Villa der Schauspielerin vorgelagert ist und von seltsam aussehenden Securitys gesichert wird, die auf den sonnengefluteten Balkonen anscheinend Bloody Marys trinken und mich nach kurzer Kontrolle durchwinken. „Misses Kidman is waiting for you!“

Wer Nicole Kidman aus ihren Werken kennt, erwartet jetzt eine strahlende Schönheit, liebreizend, herzlich, groß, sexy und mit diesem porzellanfarbenen Teint, der sie eigentlich zu schön für diese Welt macht. Wer wie ich aber auch immer hinter die Kulissen blickt, der weiß, dass die Stars morgens auch mal einen schlechten Tag haben und Maskenbildner hervorragende Arbeit leisten können. Als sich die Pforte zu ihrem Anwesen öffnet, sieht sie jedenfalls nicht gerade wie ein Moviestar aus.

Sie wirkt abgespannt, ihre Haut ist grau, fast schuppig und ihre Bewegungen wirken fahrig und verlangsamt. Sie entschuldigt sich, morgens komme sie immer nur sehr schwer in die Gänge, sie sei ein Sonnenmensch und habe zudem schlecht geschlafen und außerdem Eisenmangel, erst vor 3 Stunden sei die frische Lieferung mit „Kinderblut“ gekommen … „Children’s Blood? Did you just say …“ Nicole Kidman kichert, dies sei momentan der heißeste Scheiß in Hollywood, ein Zwischending aus Gemüse- und Frucht-Smoothie, das man an den nicht so einfachen Tagen trinken solle. 5 Minuten später schon ginge es einem dann beachtlich besser. Als perfekte Gastgeberin bietet sie mir auch gleich ein Glas an und ja, es schmeckt ein bisschen wie „Rotbäckchen“-Saft, hat aber einen ziemlich starken Eisengehalt, der unangenehm nachschmeckt. Mich beschleicht das Gefühl, ich hätte mir auf die Zunge gebissen, als ich das Glas absetze und teile dies auch Frau Kidman mit, was sie mehrfach seltsam mit den Augen klimpern lässt, wobei sie sich mit ihrer doch verhältnismäßig enorm langen gespaltenen (Die Extravaganz der ganz großen Stars!) Zunge über die Lippen leckt. „Lassen Sie uns doch auf den Balkon gehen, da ist es so schön sonnig jetzt!“ fordert sie mich auf und ich folge ihr durch das Haus, das sehr geschmackvoll eingerichtet ist: viel, viel Glas, sehr warmes, fast schwüles Licht durch wie Wärmelampen aussehende Designerleuchten, mehrere Teils Kinderzimmergroße Terrarien, in denen neben tropischen Pflanzen Mäuse, Papageien und fluffige Kaninchen, aber auch Katzen und Hunde zu leben scheinen.

Auf der Terrasse schlage ich halb scherzhaft, halb provokant vor, dass man sich hier ja fläzen könnte wie die Eidechsen, was mir einen Blick der Kidman einbringt, der zwischen „naughty naughty boy“ und „wissendem Einverständnis“ changiert. Gerade noch mache ich ihr für ihren ganges-gavial-förmigen und mit rot eingefärbtem Wasser („That’s bromine, it’s much healthier than chlorine!“)Pool ein Kompliment, als sich die Balkontür öffnet, und jemand, den ich aus dem Fernsehnachrichten kenne unser Tète-à-Tète stört. Ein wenig verkniffen lächelt er mich an, reicht mir die Hand, sagt „Gestatten, Donald Rumsfeld“, erzählt er habe leider kaum Zeit, sei aber erfreut, mich mal kennengelernt zu haben. Zum Abschied winkt er uns zu und lacht ein wenig kehlig über seine scherzhaften Abgangsworte, dass er jetzt losmüsse, die Welt zu zerstören. So viel Humor traut man jemandem wie ihm gar nicht zu, sage ich, wende mich um zu Nicole Kidman und bin geblendet von ihrer Schönheit.

Vor fünf Minuten noch sah sie aus wie Du und ich nach drei durchzechten Nächten in „Simone’s Biergaststätte“, fahl und fertig, nicht porzellanen und strahlend, aber jetzt ist sie wie eine Anemone bei den ersten Sonnenstrahlen erblüht. Erneut lächelt sie dieses typische Kidman-Lächeln, das sich von Auge zu Auge anfühlt, als ändere sich dabei ihre Gesichtsform, fängt ganz nebenbei mit der Hand eine vorbeisurrende Libelle mit den Händen und lässt sie spielerisch („Mr. Cornelius, look, I can do magic! Simsalabim!“ ins Nichts verschwinden. Die Eiswürfel in unseren Gläsern schmelzen langsam vor sich hin, ein wenig benebelt genieße ich es, hier ganz allein mit Nicole Kidman am Pool zu relaxen, Smalltalk zu treiben, ihr hin und wieder schüchtern in die stechenden Augen zu schauen und verliere dabei ganz den Fokus , warum ich eigentlich hier bin. Diese Frau soll ein Echsenwesen sein?! Diese Frau soll, wenn niemand hinschaut bis zu 3,70 Meter Körpergröße haben, an einer Weltverschwörung beteiligt sein und Eier legen? Und wenn schon, denke ich mir und lasse mir das zum Mittagessen servierte und nicht wirklich durchgebratene leckere Filetsteak schmecken, während wir weiter am Pool chillen.

Es ist früher Nachmittag geworden, wir haben bestimmt fünf große Gläser des etwas abseitig benannten Safts getrunken und obwohl ich jetzt sieben Stunden zu zweit mit Nicole Kidman verbracht habe, sind mir keine Indizien aufgefallen, die dafür sprächen, dass sie wirklich ein Echsenmensch wäre. Etwas erschreckt, deutet sie an, dass sie ja fast ganz vergessen habe, dass sie noch zu einer Spendengala für die Bilderberger müsse. Das tue ihr jetzt wirklich leid, sie wolle mich auch echt nicht rauswerfen, aber sie müsse sich noch ein wenig herrichten und solche Dinge. Lässig erkläre ich ihr, dass es eine riesige Ehre war, den halben Tag mit ihr zu verbringen und stoße ein letztes Mal mit ihr an, nachdem ich mich aus der Sonnenliege erhoben habe. Die Gläser klirren, Nicole und ich leeren sie mit unseren Strohhalmen, da erkenne ich, dass auf dem Grund des Glases die eben so seltsam weggezauberte Libelle vor sich hintreibt.

Als ich meine Gastgeberin auf dieses etwas unappetitliche Detail hinweise, murmelt sie nur, das sei doch nicht so schlimm, „It’s all protein! I could eat it right now in front of you, if you wished“, begleitet mich mit ihrem Glas in der Hand zum Ausgang und wünscht mir „Goodbye“ wie einem alten Freund. Als ich mich noch einmal umdrehe, um ihr einen letzten Blick zuzuwerfen, schließt sich leider schon die Tür und ich frage mich, woher Nicole Kidman auf einmal diesen stabilen, schwarz glänzenden, aber eindeutig zu kurzen Gartenschlauch, der sich gerade ins Haus hinein schlängelt, hat – und vor allem, was sie drin damit wohl vorhat.