Katrin Müller-Hohenstein, warum tut man ihr so Unrecht?

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Was haben die Leute nur gegen diese sympathische, gutaussehende, fachlich mehr als tipptoppe und dazu auch noch humorvolle junge Frau!? Was hat sie denn Schlimmes getan? Wen hat sie beleidigt, welches Verbrechen begangen oder welchem Drittweltdiktator außer Gerhard Schröder gehuldigt? Ich weiß es nicht – und ich bin als Starreporter wirklich bestens vernetzt. Die einzige Erklärung, die ich so habe, wenn ich mir meine gesammelten Fotoalben von Katrin, oder KMH, wie sie ihre engen Freunde nennen dürfen, durchblättere und anschaue, findet Ausdruck in einem Wort: Neid. Kalter, gemeiner, bösartiger, heimtückischer, hundsföttischer Neid.

Es kann halt nicht jeder seine wohlgeformten Füße nebst graziler Unterschenkel neben Poldi im Pool baumeln lassen. Es kann halt nicht jeder die ganz Großen des Sports allsamstäglich vor der Kamera zum Plausch und hinter den Kulissen am kalten Buffet zum Essen treffen. Es kann halt nicht jeder in jeder Situation so makellos aussehen wie Katrin. Gehen Sie doch einfach mal raus auf die Straße, setzen Sie sich in ein Café in der Fußgängerzone und schauen Sie sich die Leute an. Und dann warten Sie, trinken zu viel Kaffee und essen ein Stück Torte.

Und dann warten Sie weiter und irgendwann dann wird es dunkel. Und wenn Sie dann ehrlich zu sich sind, auch nach einem Blick in den Spiegel über dem Waschbecken des von Ihnen wahrscheinlich mehrfach benutzten Restaurantklos, dann möchte ich von Ihnen hören, ob Sie in der ganzen Zeit dort auch nur einen Menschen getroffen haben, der annähernd mit Katrin Müller-Hohenstein mithalten kann. Und das ist nur optisch, weil ja die ganze Zeit niemand mit Ihnen gesprochen hat, weil Sie unablässig in die vorbeiflanierende Menge gestarrt haben und Ihr Hemd mit Kaffeesahne versaut war, weil Sie einen leichten Tremor entwickelt haben wegen des vielen Koffeins.

Schon bei der letzten EM, als man Katrin ihren in meinen Augen flapsigen, aber dennoch doch wohl in jedem Wortschatz und Sprachgebrauch des durchschnittlichen AFD-Wählers oder auch von Erika Steinbach mehrmals wöchentlich erwähnten „inneren Reichsparteitag“ vorwarf, wendete sich das Blatt gegen sie. Meine Katrin ein Nazi, also bitte!? Und jetzt überall die Verrisse, sie mache Kuscheljournalismus, habe den Onlinejournalismus tot gemacht, habe Hansi Flick nach seiner Bauarbeiterbräune gefragt und ihn angeschmachtet und verehre Jogi Löw wie ein Groupie Justin Bieber … wie verträgt das eine attraktive Frau wie sie, eigentlich dunkelblond, aber seit einiger Zeit erhellblondet und in den besten Jahren.

Wir kennen uns noch von unserer Lehrzeit bei Radio Gong 97,1 in Nürnberg. Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Ich erinnere mich noch daran, wie wir über mehrere Monate lang immer wieder mit dem Reportergerät raus geschickt wurden, um die Meinung der Passanten zu so wichtigen Themen wie 117 Jahre Ballonfahrt, Würstchen oder europäische Kulturhauptstadt Glasgow zu erfahren. „Entschuldigen Sie, was fällt Ihnen zum Thema 117 Jahre Ballonfahrt ein?“ „Finden Sie es richtig, dass Glasgow europäische Kulturhauptstadt geworden ist?“ „Nürnberger Würstchen … „ „Ja gerne, sind die umsonst …“ Nein, wir wollten Sie fragen, wie viele davon essen Sie täglich?“ „Geht sie doch nix an!“ Katrin anfangs als Bedienerin des Geräts und ich die innovativ-frechen Fragen stellend, später umgekehrt, weil sie nun doch durch auf Grund ihres Äußeren mir gegenüber Vorteile hatte. Sie Top-Model, ich Charakterkopf. „Die Kollegen lästerten immer,“ wird sie mir bei unserem gemeinsamen Abendessen auf der Promenade in Samba de Bahia belustigt und mit keckem Augenaufschlag mitteilen, „dass die Schöne und das Biest gleich wieder die Touris auf dem Christkindles-Markt belästigen gehen …“

Und nehme ich ihr das übel? Natürlich nicht. Wo gehobelt wird, da fallen Späne, Katrins Humor ist im Privaten der eines echten Kerls, ihr Lachen anfangs fein, dann aber, je nachdem, wie das Thema ist, auch kehlig-trocken und tief. Auch jetzt, als wir hier beim 5-Sterne-Italiener direkt am Amazonas sitzen und uns über den bisherigen Verlauf ihrer WM unterhalten. „Wie lief‘s bisher so, Katrin. In Deutschland sind die Kritiken …“ „… eher nicht so dolle. Ich weiß. Aber das sollte man sich nicht so zu Herzen nehmen, denn …“ „… letztendlich ist es doch nur eine Neiddebatte“, vervollständige ich ihren Satz – eine Eigenart, die wir dank der jahrelangen Zusammenarbeit bei Radio Gong entwickelt haben.

Sie beginnt einen Satz, den ich beende. Ich beende einen Satz, den sie beginnt. Ich beginne einen Satz, den sie beendet. Sie beendet einen Satz, „den Du beginnst“, beendet Sie den Satz. Und ich habe gar nicht gemerkt, dass ich laut vor mich hin gesprochen habe. Muss der brasilianische Wein sein. „Aber nein, das ist keine Neiddebatte“, widerspricht sie mir. „Ich glaube, es geht da um etwas ganz anderes.“ „Das glaube ich aber auch“, pflichte ich ihr bei, aber sie bedeutet mir zu schweigen.

„Florian, ich meine, ich arbeite hier für das ZDF. Öffentlich rechtlich. Wir haben hier Oliver Kahn als Experten dabei. In der ARD trifft Fernanda Brandao brasilianische Omas, die ihre Unterwäsche verkehrt herum tragen, wenn ihre Mannschaft gegen Kamerun spielt. Und ich, ich sitze hier im Vorgarten der Nationalmannschaft und darf Badeschlappen verschenken, die chinesische Kinder mundgeschnitzt haben. Sicher, wir sind alle Journalisten hier, aber nicht jeder ist so ein Trüffelschwein – sie nickt rüber zu meinen Gnocchi di tartuffo bianco – im wahrsten Sinne des Wortes wie Du!

Dass Du erstmalig dabei bist, wenn sich Jogi Löw in die Lüfte schwingt, aufdeckst, wie Werner Herzog am Rad dreht, Kevin Großkreutz seine Zahlen-zählen-Therapie entlockst und dann auch noch Thomas Müllers geheimes Fototagebuch exklusiv vorgelegt bekommst … für so etwas fehlt uns das Talent und auch die Eigenständigkeit. Solche Geschichten kannst Du nicht aufdecken, wenn Du für jeden Kameramann oder Cutter nur zwei feste Tageszeiten hast, an denen Du sie anrufen darfst!“

Katrin redet sich in Rage, hetzt über Reinhold Beckmann ab („Die brauchten wohl noch jemanden mit Fastglatze neben dem Mehmet Scholl.“), lästert böse über den Musikgeschmack von Jogi Löw („Udo Jürgens!!! Das ist Leiden ohne Liebe, Opa-Musik oder Musik für Leute, denen Peter Alexander zu altbacken ist.“) und will gerade dazu ansetzen, Günter Netzer in die Pfanne zu hauen („ …den „ach so großen Fußballexperten … hat der eigentlich jemals irgendwo aktiv gespielt?“ – „Nicht, dass ich wüsste.“), als wir den Herren vis-à-vis von unserem Tisch entdecken. Vor sich eine Mückenabwehrkerze, ein Blumengesteck und ein Bierglas voller Salzstangen, prostet er uns mit einem süffisanten Grinsen zu und sagt nur fünf Worte „Gladbach oder Real, zum Beispiel.“ Wir nicken freundlich zurück und verabschieden uns kurze Zeit später Richtung Raucherterrasse. „Gladbach? In was für einer Liga spielen die denn?“ fragt mich Katrin und runzelt die Stirn und ich antworte, dass ich bei Real immer einkaufen gehe, aber da noch nie einer Fußball gespielt hätte. Dann geht es in die Verlängerung.
Günther Netzer