George Clooneys geheimes Heim

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„Kommen Sie doch bitte rein, Herr Cornelius, schön, dass Sie meiner Wegbeschreibung folgen konnten … ist Ihnen jemand gefolgt?!“ Erstaunlich, wie gut sein Deutsch ist, aber das mit den Sicherheitsvorbereitungen, die er da so trifft, damit niemand herausfindet, wo er denn wohnt, wenn er in Berlin ist, das finde ich selbst für einen Hollywoodstar übertrieben. Aber na gut: Wenn irgendjemand hier in Berlin oder gar in der Nachbarschaft wüsste, dass George Clooney hier im Märkischen Viertel  residiert, dann hätte der wahrscheinlich keine ruhige Minute mehr.
„Bitte behandeln Sie die Adresse vertraulich, Mr. Cornelius, schreiben Sie einfach, das Hochhaus stehe in Lichtenberg … wollen wir den Aufzug nehmen oder doch lieber die Karts?“ „Die Karts?“ „Ja, gute Idee!“ George Clooney lächelt und läuft vor zu einer Art Garage, die sich hinter einer Tür mit der Beschriftung „Müllraum“ befindet. Darin stehen um die 15 verschiedene Renn-Karts sowie das übliche Werkstattmaterial, eine eigene Zapfanlage für Rasenmähersprit („Für wenn der Hausmeister draußen mal ein bisschen Ordnung schaffen will!“) und in einer Ecke sitzen 4 Mechaniker im Blaumann, die Karten spielen und freundlich grüßen. Nach kurzem Smalltalk mit den Männern bittet mich George Clooney, ein Kart meiner Wahl auszuwählen und zieht den Motor an. Schwungvoll nimmt er in einem eigenen Platz und mit einem scherzhaften „Ready, steady, go!“ braust er aus der offen stehenden Tür – ihm dicht auf den Fersen, folge ich.

Zunächst wolle er mir auf einer kleinen Rundfahrt sein Berliner Heim zeigen, brüllt er mir noch zu, als er rechts um die Ecke biegt. Wir fahren durchs Parterre und Clooney erklärt mir über Bordfunk, dass hier unten größtenteils Lagerräumlichkeiten seien, die Eiskammer, die richtige Garage und solche Sachen, aber auch die Tennishalle und die erste Ebene des Golfplatzes wären ebenerdig. Er würde mir gerne noch das Katapult vorführen, mittels dessen man sich von hier unten auch nach ganz oben auf die Dachterrasse in den Pool schleudern lassen könne, aber das sei leider gerade defekt und werde erst die Tage repariert. Ein wenig enttäuscht fährt er fort. In den zweiten Stock und ich hinterher.

Der gesamte Plattenbau-West ist hier völlig entkernt, ein kompliziertes System aus Röhren, Kurven und Geraden durchzieht die nun folgenden Etagen. Clooney fährt voraus, durch die Indoor-Wälder, entlang an echt wirkenden Simulationen von Seen und ist seltsam wortlos. Als wir im 14. Stock ankommen, erfolgt endlich die Auflösung. „Ich bin großer Rennsportfan und da ich glücklicherweise gut verdiene und mir dieses Objekt hier entkernt zum Kauf angeboten wurde, habe ich ein bisschen geträumt und mir hier zehn Grand-Prix-Kurse im Maßstab 1 zu 3 einbauen lassen – inklusive des Nachtrennens in Singapur oder wo auch immer in Asien das ist.“

„Aber lassen Sie uns doch ein bisschen in die U-Bahn steigen, ich tarne mich nur eben kurz.“ George Clooney verschwindet und kehrt verwandelt wieder zurück („Schreiben Sie nichts über meinen Incognito-Look, bitte!“) und nach ein paar Türen stehen wir auf einem U-Bahnhof. Clooney flüstert mir zu, dass dieser U-Bahnhof real sei und echte Menschen transportiere. Dafür habe man lange mit der BVG verhandeln müssen, aber nachdem er zugestimmt habe, für diverse Imagefilme zur Verfügung zu stehen, sei man handelseinig geworden. Wir lassen uns auf einer Bank nieder und lauschen dem Gespräch zweier U-Bahn-Kontrolleure über den Tod.
„Da kommt so ne Grippe … Da werden zweikommaeins Millionen Menschen dran sterben!“ 
„Ja? Also nee, det gloob ick nüscht.“ 
„Doch! Das hat das ZDF ausgerechnet. Das stimmt! Ich war schon beim Arzt. Sagt der: Sie sind aber spät dran! Hab ick jesagt: Egal! Impfen Sie mir, immer rein damit …“ 
„Na dann …“

George Clooney bittet mich durch Handzeichen um eine Simultanübersetzung, statuiert anschließend, dass die einfachen Leute manchmal doch die klügsten Dinge feststellten und fragt, was denn bitte das ZDF sei. Wir steigen in die U-Bahn ein und sind nur wenige Minuten später in der nächsten Station, die wir umgehend verlassen, indem wir, unbemerkt von den Passanten durch ein Werbeplakat der BVG, das den Bahnsteig teilt, zurück in Georges Hochhaus steigen. Beeindruckt über die Weitläufigkeit des Gebäudes und über den exquisiten, und dabei dennoch irgendwie „down-to-earth“igen Geschmack Clooney setze ich mich erneut ins irgendwie herbeigezauberte Kart und wir fahren weiter, passieren die 5-Sterne-Küche aus poliertem und gefärbten Stahl, in dem ein Saucier gerade die letzten Feinheiten einer Sauce Bearnaise zubereitet, durchqueren den überdachten Heliport („Unverzichtbar, wenn ich mal schnell zum Nachdreh nach Babelsberg muss!“) und gelangen schließlich in den mit üppiger Vegetation bewachsenen Wintergarten („Da ist von außen nichts zu sehen dank modernster Stealth-Technologie!“), wo wir halten.

„Sie mögen doch Spaghetti-Eis, Herr Cornelius, hat man mir zugetragen“, wirft George Clooney in den Raum und im selben Moment fahren wie von Geisterhand zwei kleine Podeste aus dem Marmorboden, auf denen mein Lieblingsdessert kredenzt wird. Eigentlich sprachlos, bedingt durch Clooney himself, den wahnsinnigen Luxus der Einrichtung, der von außen so gar nicht zu erkennen ist und bestimmt auch durch die gefrorene Sahne auf meiner Zunge und in meinen Backentaschen, gelingt es mir dennoch, ihn endlich auf das anzusprechen, was eigentlich das Hauptthema unseres Interviews (jedenfalls meiner Meinung nach) sein sollte: die Verlobung des ewigen Junggesellen.

„George, all die Jahre waren Sie unverlobt und haben immer wieder gesagt, sie würden niemals heiraten. Wie kommt es, dass Sie ihre Meinung geändert haben und jetzt angeblich in Bälde diese adrette und intelligente Anwältin, wie heißt sie noch gleich, Amal Alamuddin, nicht wahr, zum Altar führen möchten?“

Es scheint, als sei Clooney etwas irritiert für einen kurzen Moment. „Wenn Blicke töten könnten …“ ist die Assoziation, die mir hierzu durch den Kopf schießt, aber ich verdränge sie recht bald wieder, klopft mir der Oscarpreisträger doch kumpelnd auf die Schulter und sagt, zunächst wolle er mir doch noch gerne ein weiteres hoch interessantes Gimmick seines Hochhauses vorführen, das sehr gerne benutzt werde und dazu auch brandschutztechnisch ein Meisterwerk sei. Gebe es nämlich ein Feuer, so erklärt er mir, müsse man sich nicht durch ein verrauchtes Treppenhaus kämpfen, sondern besteige einfach die mit eigener Luftversorgung versehene Notrutsche, die einen bequem nach unten bringe.

Meinen Einwand, dass das ja hochinteressant sei, ich aber doch eigentlich noch nicht gehen wolle, lächelt er freundlich aber bestimmt weg, ehe er mir einen starken Schubs versetzt und mich in Bauchlage die 27. Stockwerke nach unten rutschen lässt, wo schon ein Teil seines Personals (exakter, ein muskulöser und finster drein schauender Teil des Personals) darauf wartet, mir eine gute Heimreise zu wünschen und doch bitte in der Zukunft ein wenig auf mich achtzugeben.

Ein wenig bedrückt, aber immer noch auch beeindruckt von dem Mann George Clooney, seinem Berliner Gebäude und dem Spaghetti-Eis, besteige ich die U8 in Wittenau, nachdem ich vorher erfolglos versucht habe, durch diverse Plakate wieder ins Hochhaus des Hollywoodstars zu gelangen.

Bilder aus George Clooneys extravagantem Wohnsitz in Berlin finden Sie in Bälde in einer Exklusivausgabe von „Schöner Wohnen“, die gegen Pfingsten erscheint.

Die komplette Reportage über Karl Lagerfelds Hundeherdenzucht entnehmen Sie bitte der Maiausgabe des Bookazins für anspruchsvolle Hundefreunde „SitzPlatzFuß