Das Geheimnis des Günther Jauch

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Günther Jauch ist überrascht, als ich ihn darauf anspreche, dass ich vor gut 10 oder 11 Jahren fest davon überzeugt war, er wäre Alkoholiker. Zu der Zeit begegnete er mir mindestens viermal täglich im Fernsehen, lud sich sein Getränkewägelchen mit minimal 4 Bierkästen voll, tat gekünstelt so, als ob er auf dem Weg zu seinem Kombi (als ob Günther Jauch einen Kombi fährt!!!) mit Steffi Graf telefoniere (Haben Sie, liebe Leser schon einmal beim Bierkaufen daran gedacht, mit Steffi Graf zu telefonieren? Nein?! Sehen Sie!) und fragte sich und uns am Fernseher am Ende dieser unwürdigen Prozedur immer wieder dieselbe Frage: „Was sollte ich jetzt eigentlich noch einkaufen … nur um eine halbe Stunde später beim Getränkehändler aufzutauchen, sein Wägelchen vollzuladen und so weiter.

Jauch ist perplex und versucht dann, mir irgendetwas von Medienrezeption auseinanderzusetzen, von dem Moderator Günther Jauch und dem Privatmensch Günther Jauch und der Werbefigur Günther Jauch, die es ja auch explizit seit 2011 nicht mehr gebe, denn dies sei das Datum gewesen, an dem der Regenwald in Brasilien gerettet gewesen sei – jedenfalls der Teil, auf den keine WM-Stadien gebaut werden müssten.

Als Starreporter muss man die Celebritys ja auch mal erzählen lassen – selbst, wenn man selbst von den geäußerten Gedanken nichts versteht. Und statt investigativ einzuhaken, lasse ich Herrn Jauch freie Bahn, höre ihm unwidersprochen zu, wie er anschließend etwas vom heiligen See oder heiligen Gral erzählt, den es in Potsdam, seiner Wahlheimatstadt, gebe, vom Kampf seiner Truthahnbestände gegen die Schwarzkopfkrankheit und seiner Vorliebe für den einzigen Roman Winston Churchills, „Savrola“, den er in und auswendig kenne und auch prompt zu rezitieren anfängt:

The night was very still. The soft breeze was not strong enough to stir even the slender palms which rose on all sides, and whose outlines, above the surrounding foliage, framed the starlit sky. The palace stood on high ground, and the garden sloped on the western side towards the sea. At the end of the terrace was a stone seat.

Dieser Roman … ein wahres Meisterwerk! Wenn Sie sich hier ein wenig umschauen, werden Sie merken, dass er mich sogar dazu inspiriert hat, hier auf meinem Weingut gestalterisch tätig zu werden.“ Mit dem typischen Jauch-Lächeln deutet er auf das Ende seiner Terrasse, wo sich ein Objekt befindet, das aus Basalt zu bestehen scheint und mit viel gutem Willen auch als Stuhl/Sessel/Sitzmöbel bezeichnen lässt. Wir schlendern hinab und der Moderator bittet mich, Platz zu nehmen, was ich zunächst bescheiden ablehne, „weil ich mich doch nicht auf etwas Unfertiges setzen kann“, dann aber doch tue, weil Herr Jauch mit strafend anschaut und durch die Zähne murmelt, dass er dieses Projekt als abgeschlossen ansähe.

Alles sei aus einem Stück gehauen, was bei Basalt gar nicht mal so einfach sei und höchster körperlicher Anstrengung bedürfe. Er habe in den 5 Monaten, die er gehauen, geschlagen, geschnitten, geflext, geglättet und gewienert habe, 5 Kilo Muskelmasse gewonnen und besitze jetzt laut Aussage seines Home Trainers genau 6 Kilo insgesamt. Mehrmals habe er sich verletzt, anfangs öfter auch mal die Schutzbrille vergessen und dann beim Reinkommen ins Weingut blutunterlaufene Augen gehabt, was einerseits schmerzhaft gewesen sein, andererseits aber auch einen positiven Nebeneffekt gehabt habe, denn seitdem sei seine Sehkraft so weit gewachsen, dass er sich jetzt überlege, einen lang gehegten Kindheitstraum zu erfüllen und eine Pilotenausbildung bei der Lufthansa anzustreben.

Der Basalt an und für sich sei bekannt für seinen spröden Charakter, was manche Kritiker ja auch ihm vorwürfen, wobei er bei Gebrauch glatt werde durch Abrieb („Der Basalt, nicht ich!“ – ein typischer Jauch). Meine Rückfrage, dass man ihm das gar nicht ansehe, dass er so ein Handwerker, so ein Kraftmeier sei, der einen harten Stein beinahe fanatisch und monatelang bearbeite, schmeichelt ihm, aber dennoch wehrt er ab: „Es geht gar nicht so um Kraft, sondern vielmehr um den Einschnitzwinkel, Einschnitzwinkel gleich Ausschnitzwinkel, Sie verstehen? Aber auch um gewisse Hebelgesetzte, nach denen erfahrene Grabsteinmetze im Nullkommanichts sogar aus unbearbeitetem Platin ein Kreuz gehauen haben. Am meisten geholfen hat mir persönlich Dietmar Reinsch mit seinem Artikel ‚Gesteinskunde‘ im Buch „Steinmetzpraxis. Das Handbuch für die tägliche Arbeit mit Naturwerkstein“. Beim Namen Reinsch muss ich schmunzeln und versuche meinerseits einen Scherz, in dem ich Günther Jauch frage, ob er bei Herrn Reinsch schon einmal angerufen habe und gefragt habe, ob da jemand am Telefon „Reinsch heißt“, aber Jauch schaut mich nur verständnislos an.

Mein Hintern friert mittlerweile ein wenig [dieses Gespräch fand im November 2013 statt] und da der Basalt noch nicht abgerieben ist, stechen mich auch mehrere von Herrn Jauch nur grob abgeschliffene Kanten. „Einen schönen Aschenbecher haben Sie aber hier vorne reingehackt. Ich kann mir das gut vorstellen, wie sie so abends hier sitzen, auf die Weinberge blicken …“ aber Herr Jauch verneint ein wenig angefressen. Er rauche nicht und der „Aschenbecher“ sei vielmehr eine Art Wetterstation, mittels der er zu messen versuche, wie viel Niederschlag auf die Reben geprasselt sei nach einem Schauer.

Zurück zum eigentlichen Thema also: „Herr Jauch, früher haben Sie Bier getrunken, heute besitzen Sie ein Weingut und produzieren edlen Rebensaft. In gewisser Weise befolgen Sie damit den Volksmund, der ja auch immer sagt: Wein auf Bier, das rat ich Dir! Wie kommt’s?“ Endlich lächelt der beliebteste Moderator Deutschlands wieder „Insofern habe ich doch alles richtig gemacht, Herr Cornelius, finden Sie nicht auch? Aber jetzt wird es mir hier draußen ein wenig zu frisch. Hätten Sie Lust auf ein Spaghettieis?“ Er legt seinen rechten Arm fast väterlich um meine Schulter. Überrascht über diese in Prominentenkreisen doch kaum existente Intimität mit einem Reporter drehe ich meinen Kopf in Richtung seiner Hand und erkenne schockiert: Sein rechter Zeigefinger ist eine Prothese. Meinen Blick kommentiert er gelassen: „Ja, stimmt schon, Herr Cornelius. Das Ding ist von einem Goldschmied aus dem Basaltstück hergestellt worden, das ich samt meinem eigenen Fleisch und Blut im August herausgehhauen habe. Das mit der passenden Hautfarbe macht immer meine Maskenbildnerin …“